VIII   Wenn Kunst des Theaters auch Kommuni- kation ist, Menschen zu verbinden, auf der Bühne und von unten hinauf, aller, die daran teilhaben, am eigenen zuletzt, zu dem  er sich gemacht auf dem Niveau der höheren Seancen, dann hat er viel geschafft. In Gestalten, Bilder, Tönen, und er wusste, was nicht sichtbar mitreisst, hörbar wird, würde nicht gewesen sein. Seine Intensität war nicht die der Rationalität, aber von solcher Genauigkeit, die viel kostete. Es war die Einsamkeit der Horde.  Wie er sie nannte, die er als Ersatz der großen Oskar Werner und Paula Wessely brauchte, ohne Publikum heute nach dem Tod der Genannten, für das, was er im Faust zum Niederknien fand. Auf Oskar Werner konnten wir uns einigen, wie jener im abseitsgrossen Nein, den Faust noch mal zu stemmen versuchte, als Ton des Anfangs dokumentiert auf Band in in der Documenta-Höhle dann neben den seinen gestellt. So wollte er diese Worte noch mal sprechen am selben Ort, wo jener gescheitert, darüberhin gestorben war, in den Kulissen, hinter dem Vorhang, in den Gängen des Burgtheaters, seinem eigenen Chor und Wuttke entgegen, vor Oskar Werners Vermächtnis. Termine und Weichen waren schon gestellt. Anfrage aus Hollywood, einen Nazioffizier zu spielen parierte er als Versuchung ab, angesichts ziemlicher Gelder, er wisse schon was gewollt sei, ein aufgeschwemmter Blondling am Klavier mit Peitsche, sei seine Sache nicht. Semmelweiss von Celine, sein erster Text, noch an der Universät verfasst, das war etwas, das er sich vorstellte. Der Kampf für das Richtige, bis in den Tod. Gegen die Borniertheit der Welt, und diese Sprache . Für mich wars zu spät.

Sein Theater galt als der faschistischen Ästhetik nahe. Das rhythmische Sprechen in Gruppen, die Militanz der Mäntel aus dem Wehrmachtsfundus, darin die Unerbittlichkeiten der nackten Blöße. Das machte ihn erpressbar. Die Mäntel wurden in Wien zu sowjetischen, und damit die Rote Armee zum Kontrast zu kleistschem Rokoko-Gezwitscher, -so lachte er -, aus der Penthesilea. Und wenn sie es gut meinten, waren sie eilig körperliche Benachteiligungen, das Stottern, die Kindheitsdefekte zu erwähnen, wogegen er anwüte. Hätte ich ihn zum Film gebracht, der er war und der er sein wollte, in der Documenta waren wir nahe dran, wie auf dem Theater seine Wirkung und Kunst die war derer, die vom Film her kommen, aus unserer Zeit, mit Ur-mythen der Seele geheimnisvoll und musikalisch in Bewegung und Raum verbunden.

So sehen wir ihn denn festgehalten. In schwarzem Anzug, mit bloßen Füßen. Das Glas zu Füßen abgestellt, die Papiere in der Hand, kein Stottern mehr, als nur rufen, schreien eines, der zu flüstern kam. Dionysos Geschlecht. Satyr sein, als Heiliger usw. der Höhe. Aber man muss dafür geschaffen sein.

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