IX   Er war der Einzige, der, nachdem er einige
Tage hier gegessen, aufstand, in die Küche ging und abwusch. Soviel Gutes erfahren am Tisch sagte er, dann müsse er auch helfen, die Reste zu beseitigen. Er war auch der Einzige von dem es geduldet wurde. So selbstverständlich, wie er das tat. So nahm er die leeren Flaschen in zwei grossen Tüten und fragte nach dem nächsten Container. Ich wusste gar nicht, wo der war. Wenn er aß und es ihm schmeckte, lachte er wie ein Kind und verlangte gerne nach, das Süsse immer extra, mit Lob und guten Worten, die Köchin ehrend und so sich. Und er war der Einzige, der erkannte, anerkannte, das jeder seine Gabel und sein Messer habe und haben dürfe, so ich das Meine. Hefte voll entstanden mit Notizen von den Muttergeschichten, Vater-Elend, Tanten, Brüdern, Stürzen, Fluchten von daheim und sorgen der Mutter bis Berlin...

Das Kind. Wenn er auf der Bühne die Anderen an der Hand nahm, nach vorne kam und alle Behinderungen überspielte, wenn er mit dem Publikum sprach am Ende oder wenn einzuschreiten war wegen Verhinderungen von dritter Seite und Verboten von irgendwem, so war sein Charme so tölpelhaft wie grausam und unüberwindlich. Er war von der Art derer, die eben noch  aus grösster Nähe der Intimität seelischer Identitäten, im nächsten Moment schon nicht mehr  wissen, wenn sie töten, am Ende sich. Durch das, was sie Abstand dann wohl nennen und brauchen, am Ende von sich.  Wie ein kleiner Junge, aber der nicht nur Disteln köpft, wenn er um sich schlägt, rechtsfähig, kinderzeugend, tödlich, wenn er verletzt.. . Dienende, Friedengewährende, Spassmachende, Frauen der Kinder und Herausfordernde. Als ich mit ihm einen Abend vor der Absage des Puntila während der Aufführungen mit ihm auf der Bühne in Berlin zu Abend aß, war er in aller Ruhe nicht zu bewegen, das Ende zu vermeiden. So groß war sein Entschluss. Er sagte,  wegen des Geldes. Ich vermutete tiefe Verletzung wegen des verlorenen Freundes. Der nun das Theater leitete und woanders auftrat, bei seinen Leuten, dem er sich übergeben. Er hatte es gekonnt. Alles beschwören, die Folgen, Zerstörungen, auch Juristisches, noch mal am nächsten Morgen, nach nochmaligem überschlafen, half nicht.. Die armen Menschen auf der Bühne, die es für ihn getan. Es war umsonst, sich ihm ergeben. Es war in solchen Momenten der Nähe, wo ich ihn nicht verstand, Angst vor ihm bekam. Wenn einer zu der Zeit Einfluss auf ihn hatte, so war ich es. Machtlos sah ich ihn sein Werk zerstören. Eine Baskenmütze von dem Abend, wegen des Regens , von Aldi in Sonderaktion im Dutzendpack verbilligt angeboten, gab er mir. Und so zogen wir durch Wind und Wetter über die Brücken. Sie ist noch bei mir, nie wieder gebraucht, getragen. Das Einzige vielleicht, was ich habe, aus seinem persönlichen Besitz.

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