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den 5. Dezember 2025

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DER EPILOG - Moskau in Demmin am 28. September aufgenommen und zum ersten Mal präsentiert
weiter aus dem Buch von Dalibor Davodovic
Frankfurt am 9. Dezember Die Demminer Gesänge I und II und NachtGesang und der Epilog
Mythendenker das kommt aus der Wahl der Darstellungen. Im Studio der Projektionen und deren Bilder und Töne/RW gegen die Realität des Alltags zu arbeiten(Ludwig und Hitler mit einem Karl May in der Mitte). Und so im Kopf der Totenmaske RWs die Suche nach dem Gral? Ein Nach Mitternacht Kino im FS. Aber dann 6 Stunden DIE NACHT als Monolog des Theaters der anderer Welten. Und ein N. gegen die Natur -zerstörung als Artefakt, woraus ein neuer Film enstand als Befreiung aus fremden Besetzungen. Alles zentral aus tödlichen Umarmungen.
Nach dem Krieg herrschte in Demmin eine eiserne Schweigekartell über die Ereignisse von 1945, denn es stand viel auf dem Spiel: Darüber zu sprechen, hätte die Freundschaft – wie das Verhältnis der DDR zur Sowjetunion offiziell genannt wurde – gefährden können.<sup>245</sup> Ähnlich wie Erinnerungen an die leckeren Erdbeertörtchen, die das Café Zilm einst anbot, in der neuen sozialistischen Realität unerwünscht waren. Unerwünscht, weil sie hätten andeuten können, dass die Uniform, deren Regale in den ostdeutschen Läden häufiger leer als voll waren, nicht immer dem wahren Leben entsprach. Aber waren Kinderlieder etwa ebenso unerwünscht? Die Musik, die an jenem Abend in dem Zelt erklang, hätte man im Café Zilm kaum hören können. Falls es in dem alten Café überhaupt Musik gab, gehörten Kinderlieder wohl kaum dazu. Wie gelangten sie also in das Zelt? Der Abend war nicht nur „mit“ Marlies Hamann angekündigt, sondern auch „für“ sie. Die Lieder wurden ihr zu Ehren gesungen, und sie selbst dirigierte eines davon mit solcher Anmut, als wäre das Dirigieren eines Chors für sie eine alltägliche Tätigkeit. Was es ja auch war: An diesem Abend erinnerte sich Marlies Hamann an ihre frühere Tätigkeit als Lehrerin. Auch der Autor dieser Zeilen war wegen des Gerüsts und des Zeltes auf dem Marktplatz nach Demmin gekommen. Doch während es für die Einwohner Demmins eine Einladung zum Erinnern oder zumindest ein Ort des Lernens war, war es für mich etwas anderes: ein Werk des Künstlers Hans Jürgen Syberberg, der es als „Installation“ bezeichnete.<sup>246</sup> Deshalb bereitete ich mich vor meiner Reise nach Demmin vor, indem ich mich mit seinem früheren Werk vertraut machte. So wusste ich bei meiner Ankunft in Demmin bereits, dass er 1935 im nahegelegenen Nossendorf geboren und dort zur Schule gegangen war; dass die neuen Machthaber unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg Haus und Hof seiner Familie enteignet hatten; dass seine Erfahrungen aus der Schulzeit in Rostock eine entscheidende Rolle für seinen künstlerischen Werdegang spielten;247 dass er 1953 nach West-Berlin überlief und später nach München zog; dass bereits Anfang der 1970er Jahre Anspielungen auf seine Heimat in seinen Werken auftauchten; dass er Nossendorf erst 1991 besuchte, nach dem Fall der Berliner Mauer und der Öffnung der Grenzen der DDR; dass es ihm 2001 gelang, sein Elternhaus zurückzukaufen, das seit der Verstaatlichung verschiedenen Zwecken gedient hatte, und dass diese Sanierung den Kern dessen bildete, was er das „Nossendorf-Projekt“ nannte,248 zu dem auch das Café Zilm gehörte. So kam ich mit dem Wissen um Demmins künstlerischen Werdegang im Gepäck zu ihm. Konkret bedeutete Wissen in diesem Fall, zu wissen, was sein Werk ausmacht und warum es so ist, wie es ist. Zum Beispiel, dass Kinderlieder bereits Eingang in sein Werk gefunden hatten. So sind einige der Lieder, die ich in jenem Zelt hörte, bereits in Syberbergs Film „Die Nacht“ zu hören. In diesem langen, vierteiligen Filmwerk wird jedem der beiden längeren Schwarzweiß-Segmente ein kürzeres Farbsegment vorangestellt, in denen jeweils nur die Schauspielerin Edith Clever zu sehen ist.<sup>249</sup> An einer Stelle im Finale <sup>245</sup> Vgl. ebd., S. 15. <sup>246</sup> Syberberg seit 2001, http://www.syberberg.de/CafeZilm/. <sup>247</sup> Zu den Erinnerungen des Künstlers an diese Zeit siehe Syberberg 2010. Mein Dank gilt Annegret Körber für den Hinweis auf diese Quelle. <sup>248</sup> Vgl. Syberberg seit 2001, http://www.syberberg.de/Syberberg1/Projekt_Nossendorf/projekt_nossendorf.html. <sup>249</sup> Syberbergs künstlerische Handschrift ist in diesem Film schwer zu erkennen. Der Name der Autorin erscheint nicht im Vorspann des ersten Teils, sondern erst zu Beginn des zweiten Teils. Dort wird zuerst der Titel, dann der Name Hans Jürgen Syberberg und anschließend, darunter, aber gleichzeitig mit dem Titel, der Name Edith Clever eingeblendet. Drei Zeilen verschwinden nacheinander: Zuerst Syberbergs Name, gefolgt von … Im vierten Teil sehen wir sie in Nahaufnahme, wie sie „The Moon Has Risen“ singt. Ihre Augen sind geschlossen, ihr Gesicht stützt sich auf ihre rechte Hand, während ihre erhobene linke Hand langsam sinkt. Im Verlauf des Liedes verliert ihr Gesicht die Stütze und sinkt auf die andere Seite, wo es sich auf ihre linke Hand stützt. Die Kamera fährt immer weiter zurück und zeigt nun den ganzen Körper der Schauspielerin, der sich allmählich beugt, nur um sich dann wieder aufzurichten und einen vollständigen Kreis zu beschreiben, bis sie wieder aufrecht steht. Ihr Kopf ruht erneut auf ihrer linken Hand. Das Lied endet – die Schauspielerin öffnet die Augen. Im Folgenden nimmt sie nacheinander verschiedene Gegenstände – einen Teddybären, eine Armbanduhr und schließlich einen Ring – und legt sie auf einen Lederteppich vor sich, während sie unaufhörlich, wie in Trance, ein Lied nach dem anderen singt. So hören wir „Guten Abend, gute Nacht“, „Nun ruhen alle Wälder“, „Weißt du, wie viele Sterne es gibt?“, „Schlaf, liebes Kind, schlaf“ sowie „Dona nobis pacem“, „Abendstille überall“ und „All“.
Einzeln bekannt -zusammen neu.
A German Epic
Nun kommt der, an dessen "Mythenwelt" man sich mühsam gewöhnt hat, mit realen Weltabseitigkeiten und sucht zentrale Deutungen - von hier?

 

 

 

 

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