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3. August 2000 - nicht veröffentlicht
-Die anschaulich unvergleichliche Brache - unvergleichlich, weil mit Geschichte hoch besetzt und anschaulich, weil da viel zu lernen ist, über uns, grausam und
schmerzlich - im Herzen Berlins aber ist das Land zwischen Potsdamer Platz in seiner neuen Kommerzialität und Brandenburger Tor mit Reichstag und zukünftigem Bundeskanzleramt als Zeichen der Repräsentation. Von Osten begrenzt von
der heutigen Wilhelmstraßen-Ästhetik der Honeckerschen Plattenbauten und im Westen vom Tiergarten, den die Spaß-Umzüge einmal im Jahr gerne als Ab-Ort benutzen, dass er sich immer wieder neu erholen muss bis zum nächsten Mal. Es
ist da, wo die ehemaligen Gärten der Häuser in der Wilhelmstraße seit ihrer Gründung vor 250 Jahren lagen. Zuerst der Palais, aneinandergereiht wie Reihensiedlerhäuser ohne Zaun und dann der Ministerien des
Reiches, bis die Bunker im letzten Kriege zum Zeichen wurden des Endes von mehr als gestalteter Natur von Generationen früherer Kulturen. Ergiebiger Anlass für Aktionen des Erdboden-gleich-Machens der Betonierer nach '45 um das
Diktum der Verbrannten Erde hübsch anschaulich zu machen mit Mauern, Hunde-Hatz auf Menschen und Schießfeldern für die Bewacher zwischen Ost und West. Heute genießen wir die Freiheit nach dem Beseitigen der Mauer und
Menschen-Grenzen untereinander wofür. Schon sehen wir die Pläne für die Ländervertretungen und deren Bauten, die früher einmal als Ministerien des Bundes in Preußen die Wilhelmstraße bestimmten, bevor sie zum Regierungszentrum des
Reichs wurden. Und wir sind frei für das Denkmal und Museum der ermordeten Juden in Europa? Wieviel mehr vielleicht wärs gewesen, gerade hier, als Platz und Tat von uns für sie und nicht nur als Finanziers mit weniger Beton und
weniger Armierung und sei es eine Leere wo einst alles heiter war und grün, als das nun Geplante von fernher aus New York, und von einem der ihren und ohne Wissen von dem, was hier war und sein müsste, nämlich wie es der zuständige
Minister vor seiner Wahl noch sagte und selbst wusste. Was die Leute wollten, wofür sie ihn wählten, wie sie dachten und wünschten. Auch denen, für die es sein soll. Ein hochpolitisches Feld. Gerade in seiner früheren Gestalt und
Bedeutung. Wenig wissen wir von Details. Friedrich Ebert und Hindenburg in Fotos privat. Bismarck beschrieb den Blick aus dem Fenster. Auf den Baum, der ihm Mass war seines Denkens. Man kann sagen, hier war das, was hinter den
Fassaden lag, das Gehäuse öffentlicher Auftritte. Gebrauchte Natur als kultiviertes Leben. Der Streifen-Übergang vor dem königlichen Park außerhalb der Stadtgrenzen. Jedem, der sich da ansiedelte, ursprünglich auf vom König
überlassenen Grund, überlassen zu individueller Sorge des Gebrauchs, in der Form-Strenge und -Treue zur Gestaltung der Gebäude und der Gärten dahinter. Und das waren fließende Übergänge von Beeten mit Gemüse, deren Blätter und
Farben und Reifezeiten mit denen der ländlichen Blumen wechselten. Wie wir es heute gut studieren können in der Bepflanzung der Rabatten im Türkischen Bad der Anlagen von Potsdam. Von woher auch diese Auskünfte kommen. Nämlich,
dass die aristokratischen Damen selbst es sich nicht nehmen lassen ließen, eigenhändig die Bepflanzung und Ernte zu besorgen, wie den Verkauf auf den Berliner Märkten. Es war die ländliche Kultur der Aristokratie, die hier ihre
Stadtwohnungen pflegte, mit dem Wissen vom Lande, als Maß der Politik. Wenn Bismack sein Handeln aus diesem Fundus der Landnähe versah, aus der er kam, wie die Bilder der Theatersprache und Gedichte, die dort gedruckt wurden, so
wusste er um Saat und Früchte, die Gezeiten des Jahres und von guter oder schlechter Umsicht oder Pflicht gegenüber Menschen und Tieren oder Pflanzen. Man kennt sein Bild mit Pferd dort hinten zum Ausritt, wie keines vom Führer von
dort. Außer eben im Bunker, der alles unterminierte bis zum Ende. Dessen Zeichen er wurde und ist. Denn was danach kam, war das: Wo die Funktionäre der DDR tabula rasa machten und die Tafel der Geschichte mit ihren Insignien
neu beschrieben mit den Todesfugen ihrer Betonierungen, denken die Unseren heute, diese Last der Geschichte fliehen zu können, wenn sie die vorderen Türen des repräsentativen Teils ihrer Straße meiden und meinen, sie seien frei nun
davon, indem sie ihre Ländervertretungen hintenherum ansiedeln und wir wissen, wie die dann aussehen werden, ins Unbenannte, Unbebaute, Nichtbesetzte und siedeln sich doch gerade da an, wo die Empfänger der Befehle unserer letzten
Vorgeschichte auf ihre Einsätze warteten und entkommen nicht den Fragen, wie sie dann umgehen mit jener anderen Verpflichtung die die Heiterkeit des Orts davor uns aufgegeben, wie wir dann darauf antworten werden, als Freie nun.
So ergibt sich dieser Teil der Stadt als Landschaft sonder Gleichem. Als Seelenmythos des Landes. Vom Markt umgeben und neu zu behauptender Repräsentation wie Spaß-Konsum und Restnutzwerten jüngster Vergangenheiten liegt da
das, was einmal als des Lebens arkadischer Anspruch versucht und gemeint war, von Göttern einer anderen Welt verheißen. Und ist nun das Gegenteil eines gelobten Landes. Wo Leere auszuhalten wäre. Das leere Feld. Mit Rand und Band.
Die Leere des Feldes unter dem rühmenden Himmel? Und darin eine Sacra Conversatione der an der Geschichte Beteiligten, die von den Höllen weiß. Verspielt soviel. Karten neu zu mischen. Chance - vertan? schon? Die Form zu finden aus
uns. Dem Leben seinen Raum zu geben, ohne Reden. In ihm. Unvergleichlich. In Last und Auftrag. Und doch so vielfach wiederzuerkennen und gespiegelt im Lande. Die Schichten, die Verwüstungen, Trostlosigkeiten, Geschäfte, Lähmung
und Fehlgriffe. Hier wie dort wird sich von Fall zu Fall entscheiden, noch einmal, wie wir uns gestalten, wer wir sind. Woraus. Wozu. Neue Ordnung schaffend. Aus was! Wir wollen doch nicht, dass - wie nach dem Krieg durch Abrisse
des Verbliebenen und Ödnis der Begradigungen und Glättungen bereinigter Fluren, Fassaden, Straßenführungen und solchen Denkens, - nun nach dem Ende der DDR erst recht beseitigt und verloren wird, - in der Vollstreckung von
Verschlankung und Transparenz, - was gearde noch müde unter leidloser Lethargie überlebte. Im Äußeren, wie im Inneren der Menschen, die da rumziehen und niedermachen, vernichten und vertreiben, nicht wissend warum. Was wir, die es
besser wissen, verursachen, beauftragen auf geheimsten Wegen, wenn wir so sind, wir überall zeigen. Und sei es durch wohlfeile Empörungen und Vorteilsbeschaffung im Amt der Besserwissenden. Und wenn wir weiter nichts vermöchten
als erkennen, was wir nicht wieder haben werden, sein können und dürfen, in der Form dazu und Haltung, die daraus wächst, so wär allein dies schon vielleicht geeignet, jene zu lösen, aus ihrem Bann, die da außer Rand und Band,
schlagen, brennen und morden als Teil und wie von uns, solange wir dies nicht leisten. |